Welche Kamera für Sportfotografie?


Immer wieder bekomme ich Anfragen von Lesern, welche Kamera für Sportfotografie geeignet ist. Ich möchte hier keinen Hersteller, kein bestimmtes Modell und nicht einmal ein bestimmtes System besonders hervorheben, sondern stattdessen auf die verschiedenen Anforderungen für die Sportfotografie eingehen und Alternativen zu den teuren Profi-DSLRs aufzeigen.

Wichtige Features für die Sportfotografie

Die Frage, welche Kamera für Sportfotografie geeignet ist, hängt von den benötigten Eigenschaften der Kamera ab. Die perfekte Kamera für Sportfotografie weist folgende Features auf:

  • sehr schnelles AF-Modul
  • robustes Gehäuse mit Staub- und Spritzwasserschutz
  • großes Gehäuse für bessere Haptik (in Verbindung mit großen Objektiven)
  • hohe Serienbildanzahl (ab 10 fps) und großer Speicherpuffer
  • gute ISO-Performance
  • Langlebigkeit (verträgt eine hohe Anzahl an Auslösungen)
  • alle wichtigen Einstellungen direkt am Gehäuse vornehmbar (Knöpfe)
  • Dual-Slot für Speicherkarten

Nimmt man die Liste ganz genau, bleiben eigentlich nur zwei Kamerahersteller und deren jeweilige Topmodelle (Nikon D4s und Canon 1DX) übrig. Zwar erfüllen auch andere Kameras einige der Punkte, aber in der Kombination sind es wirklich nur die beiden Flagschiffe. Für Profis – das sind für mich diejenigen, die mit dem Fotojournalismus, besonders der Sportfotografie ihre Brötchen verdienen – gibt es eigentlich keine Alternativen. Für den Hobbyfotografen ist eine solche Anschaffung jedoch purer Luxus (oder etwas anders formuliert: reine Geldverschwendung).

Wer nur zum Hobby Sportfotografie betreibt oder gerade erst am Anfang steht und sich ein Portfolio aufbauen möchte, benötigt keine Kamera für 6.000€. Stattdessen lohnt es sich, bei der Suche nach Alternativen sinnvolle Kompromisse einzugehen und auf weniger wichtige Punkte aus der o.g. Liste zu verzichten – oder eine gebrauchte Profikamera zu kaufen. Ich gehe auf beides näher ein.

Kameras im Vergleich

Profi vs. Consumer

Wer Wert auf alle wichtigen Features legt, kommt an einer Profikamera nicht vorbei. Grundsätzlich kann man als Hobbyfotograf aber Kompromisse eingehen, weil man eben nicht jeden Tag mehrere Veranstaltungen mit mehreren Gehäusen bei allen erdenklichen Wetterbedingungen fotografieren muss. Als Hobbyfotograf oder Anfänger kann man sich aussuchen, wann man fotografieren geht. Aus diesem Grund ist es nicht nötig, dass die Kamera alle o.g. Features abdeckt. Wer nur bei gutem Licht und gutem Wetter fotografiert, benötigt weder hohe ISO-Werte noch ein spritzwassergeschütztes Gehäuse. Auch bei der Serienbildanzahl und dem Autofokus kann man gewisse Abstriche machen. Dadurch erhöht sich womöglich der Ausschuss ein wenig, aber man ist als Hobbyfotograf auch nicht unbedingt darauf angewiesen, in jeder Szene das perfekte Bild in perfekter Schärfe zu haben.

Die neusten Consumerkameras bieten mittlerweile eine recht gute Performance und sind problemlos auch für Sport zu gebrauchen (siehe Test D5500). Wer damit leben kann, dass die Kamera nur 5 Bilder in der Sekunde macht, kleiner ist, die Einstellungen teilweise im Menü versteckt sind und der Verschluss nur auf 100.000 statt auf 250.000 Auslösungen ausgelegt ist, wird damit einen preiswerten Einstieg in die Sportfotografie finden.

Neu vs. gebraucht

Eine andere Form des Kompromisses ist die Wahl einer gebrauchten Kamera. Wer alle Vorzüge eines Profigehäuses nutzen möchte, kann mit einem älteren, gebrauchten Modell ein Schnäppchen machen. Auch heute, nach über 7 Jahren, ist beispielsweise die Nikon D3 eine äußerst gute Wahl für die Sportfotografie. Für ein Fünftel des Neupreises erhält man damit eine Profikamera, mit der man absolut wettbewerbsfähige Fotos produzieren kann. Natürlich sind ältere Profimodelle in manchen Bereichen neuen Consumerkameras unterlegen, dafür erfüllen sie aber in allen Bereichen die Anforderungen an die Sportfotografie.

Alles Canon und Nikon oder was?

Wie eingangs schon angesprochen, müssen sich professionelle Sportfotografen zwischen Canon und Nikon entscheiden. Der Grund ist weniger die Kamera, sondern vielmehr das Angebot an passenden Objektiven. Nur diese beiden Hersteller bieten ein breites Portfolio an Objektiven, die kompromisslos die Anforderungen der Sportfotografie erfüllen.

Anders sieht es auch hier wieder im Amateur-Segment aus. Wer eine andere Kamera besitzt und lediglich in die Sportfotografie hineinschnuppern oder sie in kleinem Umfang betreiben möchte, kann weiterhin mit einer Fuji, Pentax, Olympus oder Sony fotografieren. Man muss dann eben mit den Kompromissen leben.

DSLR vs. DSLM

Je länger und anhaltender der Vormarsch der Spiegellosen Kameras andauert, desto mehr drängt sich die Frage auf, wann sie auch die Sportfotografie erobern. Was die Kameras angeht, spricht nichts mehr wirklich dagegen. Der Autofokus ist mehr als ausreichend, der optische Sucher mittlerweile gut genug. Mit der Leica SL gibt es nun endlich auch einen Profi-Kamerabody, der nicht nur technisch, sondern auch haptisch die Anforderungen an die professionelle Sportfotografie erfüllt.

An den nötigen Objektiven mangelt es jedoch noch bei allen spiegellosen Systemen. Weder decken die Hersteller den Brennweitenbereich ab, der benötigt wird, noch sind die Objektive lichtstark und schnell genug. So gibt es keine lichtstarken Tele-Festbrennweiten (300mm oder 400mm f.28 oder 500mm und 600mm f4.0). Der Grund dürfte wohl sein, dass die Hersteller Sony, Olympus und Fuji diesen Markt gar nicht im Blick haben, sondern bewusst auf die Bedürfnisse eines größeren Marktes eingehen. Und dieser verlangt eben möglichst kompakte System-Kameras mit kompakten Objektiven. Einzig Leica wagt mit der SL den Vorstoß in den Bereich Fotojournalismus und Sportfotografie. Bleibt abzuwarten, wann Leica auch entsprechende Objektive auf den Markt bringt und was diese kosten werden.

Für Profis ist das Segment der Spiegellosen daher noch wenig interessant. Einsteiger und Hobbyfotografen dagegen können ihre Spiegellose problemlos auch für Sport nutzen, selbst wenn es an kompromisslosen Objektiven mangelt. Ein 70-200mm f4.0 dürfte mittlerweile jeder Hersteller bieten und bei entsprechenden Lichtbedingungen und einkalkuliertem Ausschuss sollten damit sehr gute Ergebnisse zu erzielen sein.

Fazit

Die Frage „Welche Kamera für Sportfotografie?“ lässt sich also nicht pauschal beantworten. Für Profis gibt es derzeit keine Alternative zu professionellen DSLR-Gehäusen, die man gebraucht natürlich deutlich günstiger als neu bekommt. Einsteiger und Hobbyfotografen können sich entscheiden, ob sie auf eine Profi- oder Consumerkamera setzen und haben die Wahl zwischen DSLR und DSLM. Grundsätzlich sollte man auch beachten, dass Objektive weit wichtiger als die Kamera sind. Wer mehr darüber wissen möchte, findet im Artikel Objektive für Sportfotografie weitere Infos.

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Steffen Körber

Über Steffen Körber

Mein Name ist Steffen Körber und ich bin leidenschaftlicher Fotograf, Ausrüstungs-Freak und Blogger für action-photos.de Über meine Begeisterung für Sport bin ich durch Zufall zur Fotografie gekommen. Daraus entwickelte sich schnell eine Leidenschaft mit der Ambition, Fotografie professionell zu betreiben.